Ratgeber Grundversicherung

HMO, Telmed oder Hausarzt? Alle Modelle einfach erklärt

Aktualisiert: September 2026, Prämien 2027 · Lesezeit: 7 Min.

Beim Krankenkassen-Vergleich tauchen ständig Begriffe wie HMO, Telmed oder Hausarztmodell auf, und die günstigsten Tarife sind fast immer ein alternatives Modell. Aber was bedeutet das konkret? Und bekommt man wirklich die gleiche Leistung? Hier die Antworten.

Das Wichtigste vorweg: Die Leistungen der Grundversicherung sind bei allen Modellen gesetzlich identisch (KVG Art. 25–31). Du bekommst exakt die gleichen Behandlungen, Medikamente und Spitalleistungen. Der einzige Unterschied: wie du zum Arzt kommst.

Die 5 Modelle im Überblick

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Standard (Freie Arztwahl)

Kein Rabatt. Referenzprämie

So funktioniert's: Du gehst zu jedem Arzt, Spezialisten oder Spital deiner Wahl, ohne Überweisung, ohne Voranmeldung. Maximale Freiheit.

Vorteil: Keine Einschränkung, kein Aufwand.
Nachteil: Höchste Prämien. Keine Koordination. Doppeluntersuchungen möglich.

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Hausarztmodell

Ersparnis: meist 10–15 % (Median CHF 710/Jahr)

So funktioniert's: Du wählst einen festen Hausarzt aus einer Liste deiner Kasse. Bei gesundheitlichen Problemen gehst du immer zuerst zu ihm. Er überweist dich bei Bedarf an Spezialisten.

Vorteil: Vertrauensperson die dich kennt, koordinierte Behandlung, weniger Doppeluntersuchungen.
Nachteil: Kein direkter Gang zum Spezialisten (ausser Notfall). Wechsel des Hausarztes je nach Kasse mit Vorlaufzeit.

🏥

HMO (Gruppenpraxis)

Ersparnis: meist 12–18 % (Median CHF 870/Jahr)

So funktioniert's: Du lässt dich in einer HMO-Gruppenpraxis behandeln. Dort arbeiten mehrere Ärzte verschiedener Fachrichtungen unter einem Dach. Die Praxis koordiniert alles, auch Überweisungen.

Vorteil: Höchster Rabatt. Alles unter einem Dach, kurze Wege, integrierte Versorgung.
Nachteil: Behandlung nur in der zugewiesenen Praxis. Nicht in allen Regionen verfügbar (v.a. in Städten). Weniger persönliche Arzt-Bindung.

📞

Telmed (Telefonmodell)

Ersparnis: meist 9–16 % (Median CHF 710/Jahr)

So funktioniert's: Vor jedem Arztbesuch rufst du eine medizinische Hotline an (24/7). Dort berät dich eine Fachperson und entscheidet, ob ein Arztbesuch nötig ist, und wenn ja, an welchen Arzt du gehen sollst.

Vorteil: Guter Rabatt. Sofortige medizinische Beratung, oft werden unnötige Arztbesuche vermieden. Freie Arztwahl nach dem Anruf.
Nachteil: Vor jedem Arztbesuch anrufen, auch bei Kleinigkeiten. Kann als lästig empfunden werden.

💊

Apothekenmodell

Ersparnis: meist 12–17 % (Median CHF 840/Jahr, BAG-Kategorie «Alternativ»)

So funktioniert's: Deine Stammapotheke ist die erste Anlaufstelle. Der Apotheker beurteilt, ob ein Arztbesuch nötig ist oder ob eine Behandlung direkt in der Apotheke möglich ist.

Vorteil: Niederschwellig (kein Termin nötig), kurze Wartezeiten, Apotheker kann einfache Behandlungen durchführen.
Nachteil: Noch wenig verbreitet, nicht bei allen Kassen verfügbar.

Vergleich auf einen Blick

ModellErste AnlaufstelleErsparnisArztwahl
StandardFrei. Komplett frei
HausarztGewählter Hausarzt10–15 %Via Hausarzt
HMOGruppenpraxis12–18 %Innerhalb HMO
TelmedTelefon-Hotline9–16 %Frei (nach Anruf)
ApothekeStammapotheke12–17 %Via Apotheke

Ersparnis gegenüber dem Standardmodell derselben Kasse, Erwachsene, Franchise 2'500, mit Unfall, Prämien 2027 in allen Prämienregionen. Angegeben ist die mittlere Hälfte der Tarife.

Neu ab 2027: das BAG teilt die Modelle anders ein

In den offiziellen Prämiendaten führt das BAG die Modelle ab 2027 in vier Gruppen: Standard, Praxis (Hausarzt und HMO), Telemedizin und Digital sowie Flex. Flex steht für Modelle, bei denen du die erste Anlaufstelle je nach Fall wählst: Hausarzt, Telefon-Hotline oder Apotheke. Apothekenmodelle laufen deshalb meist unter Flex. Im Rechner heisst diese Gruppe «Alternativ».

Für dich ändert sich nichts: Die Tarife heissen bei der Kasse gleich wie vorher, nur die Einordnung in der Statistik ist neu.

Was passiert im Notfall?

Das ist die häufigste Sorge, und die Antwort ist klar:

In echten Notfällen gilt bei allen Modellen freie Arzt- und Spitalwahl. Du darfst jederzeit direkt in die Notaufnahme, ohne vorher anzurufen, ohne Hausarzt, ohne HMO. Das ist gesetzlich garantiert.

5 Mythen über alternative Modelle

Mythos 1

«Im HMO bekomme ich schlechtere Behandlung.»

Falsch. Die Leistungen sind gesetzlich identisch (KVG). Studien zeigen sogar, dass koordinierte Versorgung in HMO-Praxen teilweise zu besseren Ergebnissen führt, weniger Doppeluntersuchungen, bessere Abstimmung.

Mythos 2

«Telmed heisst, ich werde am Telefon behandelt.»

Falsch. Es ist eine Triage, eine erste Einschätzung. Bei Bedarf wirst du sofort an einen Arzt überwiesen. Oft bekommst du dabei sogar eine Empfehlung für den besten Spezialisten.

Mythos 3

«Ich komme aus dem Modell nicht mehr raus.»

Falsch. Du kannst jedes Jahr per 1. Januar wechseln (Kündigung bis 30. November). Innerhalb derselben Kasse ist der Modellwechsel oft noch einfacher, per Formular oder online.

Mythos 4

«Im Notfall muss ich zuerst meinen Hausarzt anrufen.»

Falsch. Bei echten Notfällen (Unfall, lebensbedrohliche Situation) darfst du in allen Modellen direkt ins Spital. Ohne Anruf, ohne Überweisung.

Mythos 5

«Alternative Modelle sind nur für junge, gesunde Leute.»

Falsch. Auch chronisch Kranke profitieren: Ein fester Hausarzt kennt die gesamte Krankengeschichte, koordiniert Behandlungen und vermeidet Wechselwirkungen. Plus: niedrigere Prämien entlasten das Budget.

Wie beliebt sind die Modelle?

Die Mehrheit der Schweizer Versicherten hat längst gewechselt:

Wie wechsle ich das Modell?

  1. Modell wählen: Überlege, welches Modell zu deinem Alltag passt
  2. Prämien vergleichen: Nutze unseren Krankenkassen-Rechner. dort siehst du die Prämien pro Modell
  3. Kündigung einreichen: Bis 30. November für den 1. Januar (Einschreiben empfohlen)
  4. Neue Kasse / neues Modell anmelden: Jede Kasse muss dich in der Grundversicherung annehmen (gesetzliche Aufnahmepflicht)
Maximales Sparpotenzial

Die Kombination alternatives Modell + Franchise 2'500 bringt die grösste Ersparnis. Ein Beispiel aus den Prämien 2027: Stadt Zürich, Erwachsene mit Unfall. Das Standardmodell mit Franchise 300 kostet im Schnitt aller Kassen CHF 676.90 im Monat, die günstigste HMO mit Franchise 2'500 CHF 406.80. Unterschied: rund CHF 3'240 pro Jahr.

Mehr zur optimalen Franchise: Welche Franchise ist die beste?

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Quellen: KVG Art. 25–31 (Leistungskatalog), Bundesamt für Gesundheit (BAG), Prämien 2027 (opendata.swiss) und Statistik der obligatorischen Krankenversicherung. Alle Angaben ohne Gewähr. Ersparnisse variieren nach Kanton, Alter und Versicherer.